In landschaftlich reizvoller Lage im Nordwesten Brandenburgs, inmitten der weiten Ebene des Havellandes, liegt das Agrarensemble Lögow. Geprägt von der landwirtschaftlichen Nutzung zu DDR-Zeiten, folgt der Gutshof weniger einem einheitlichen Entwurf als der kontinuierlichen Entwicklung eines landwirtschaftlichen Betriebs. Mit der Neuordnung der Agrargesellschaft Lögow 2022 entstand die Möglichkeit, den Ort weiterzudenken. VON M entwickelt den bestehenden Betriebshof zu einem zeitgemäßen Unternehmensstandort weiter – nicht durch einen radikalen Neuanfang, sondern durch Weiterbauen. Bestehende Strukturen werden erhalten und ertüchtigt, neue Bausteine ergänzt und unterschiedliche Gebäudetypen zu einem Ensemble aus Wirtschaftsgebäuden, Silos und einem von einem adressbildenden Haupthaus gefügt.

Die heutigen Strukturen erzählen von unterschiedlichen Zeiten und Funktionen. Stall- und Lagerhallen aus der DDR-Zeit stehen neben weiteren Wirtschaftsgebäuden und Silos. Ihre unterschiedlichen Dimensionen, Konstruktionen und Materialien prägen den heterogenen Charakter des Hofes. VON M nimmt diese Vielfalt als Ausgangspunkt und entwickelt daraus eine neue Ordnung. Wo möglich, wird der Bestand weitergenutzt und ertüchtigt; wo er heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht, wird er durch neue Bausteine ersetzt. Eine vertikale Struktur aus wiederverwendeten Trapezblechen fasst die unterschiedlichen Baukörper zusammen. Dachüberstände und Toranlagen werden mit großmaßstäblichen Traufblechen eingefasst. So entsteht aus dem klassischen Satteldach ein skulpturales Dachvolumen. Das durch eine umlaufende Schattenfuge optisch vom Baukörper gelöst wird. Der entsättigte Grünton nimmt die Farbwelt der Landschaft auf. Die Fassaden kaschieren die landwirtschaftliche Herkunft nicht, sondern übersetzen sie in eine zeitgemäße architektonische Sprache. Sämtliche Dächer sind vollflächig mit Photovoltaikanlagen belegt, die durch abgekantete Bleche eingefasst werden und so Teil der Gebäudehülle werden. Nach Norden begrenzen drei neue Silos den Hof zum offenen Feld. Sie übernehmen eine funktionale Aufgabe und bilden zugleich den räumlichen Abschluss des Ensembles. Die Freiraumgestaltung folgt demselben Prinzip: Eine verlängerte Lindenallee und 20 neu gepflanzte Linden rahmen das Hofgelände. Inmitten der landwirtschaftlichen Infrastruktur bildet eine Rasenfläche mit Lindensolitär und Sitzbank einen bewusst gesetzten sozialen Mittelpunkt.

Mit der Neuordnung entsteht auch eine neue Adresse: ein zweigeschossiges Gutshaus, das zwischen Wirtschaftsgebäuden und Landschaft vermittelt. Es übernimmt Büro-, Wohn- und soziale Funktionen und greift Motive der brandenburgischen Gutshaus- und Bautradition auf. Klare Geometrie, Symmetrie und Proportion verbinden sich mit einer eigenständigen zeitgenössischen Sprache. Das kompakte Gebäude ist streng symmetrisch organisiert. Mittelrisalite mit Dreiecksgiebeln markieren die Längsseiten. Ein kreisrundes Motiv akzentuiert jeweils den Giebel: Auf der Hofseite wird es zum reliefartigen Eingangsportal, auf der Schauseite zum Bullauge. Die Fassaden bestehen aus rotbraunem Wasserstrichklinker, der die regionale Materialität aufgreift, ohne historisierend zu wirken. Im Inneren öffnet sich das Foyer und erschließt das gesamte Erdgeschoss. Ein zentraler eingestellter Kubus bildet den Übergang zum Obergeschoss; ein weiteres kreisrundes Fenster fokussiert den Blick auf die Lindenallee und die Landschaft.Im Obergeschoss liegen eine Betriebsleiter-Wohnung mit Loggia sowie Lager- und Technikflächen, die bei Bedarf zu einer weiteren Wohneinheit umgenutzt werden können. Ergänzend befinden sich Sozial- und Umkleideräume für Mitarbeitende. Robuste, zurückhaltende Materialien – Putz, Holzwolle, Sichtbetonestrich und Fenster, Türen und Möbel aus heimischen Hölzern – lassen Raum für Licht, Proportion und den Bezug zur Umgebung.

Die Transformation von Lögow steht für einen Umgang mit bestehenden Orten, bei dem Weiterbauen an die Stelle des vollständigen Ersetzens tritt. Die vorhandene Struktur wird als Ressource verstanden und ihre Geschichte, Maßstäbe und funktionale Prägung in die Zukunft übersetzt. So entsteht aus dem gewachsenen landwirtschaftlichen Betriebshof ein neuer Unternehmensstandort aus Bestand und Neubau, der seine Transformation und Zukunft architektonisch sichtbar macht.

Bauen im Bestand   .   Transformation   .    Weiterbauen

Realisierung: 2022–2025
LPH: 1–5
BGF: 480 m²
Bauherr: Strenger Family Office / Agrargesellschaft Lögow GmbH
Ort: Wusterhausen/Dosse
Fotos: Zooey Braun