Das Haus der Jugend am Rande des Benckiserparks steht unweit des Stadtzentrums an der Westlichen Karl-Friedrichstraße. Der eingeschossige Bau fußt auf den Grundmauern alter Gewölbekeller der historischen Villa Benckiser, auch Teile der Grundmauern wurden wiederverwendet. 2016 nun galt es, das fast siebzig Jahre alte Haus zu modernisieren und zu erweitern.

Der Park sollte nicht verkleinert werden, eine Aufstockung des Bestandsgebäudes war die Lösung. Eine Art Stahltisch auf dem bestehenden Gebäude bildet dafür die Grundlage, dessen Beine das Dach durchstoßen und stabil auf neuen, zwischen den alten Gründungen eingebrachten Punktfundamenten stehen. Auf diesem Tisch wurden kostengünstige Fertigbauelemente errichtet, die die Erweiterung im neuen ersten Stock bilden. Entlang eines langen, lichtdurchfluteten weißen Flurs reihen sich die Büros sowie durch gleiche Grundflächen flexibel nutzbare Räume. Spiegel an den Wänden, Deckenhöhen und Raumzuschnitt machen deutlich, dass vielerlei Aktivitäten von Yoga über gemeinsames Konsole-Spielen bis hin zu expressivem Tanz möglich sind.

Das Erdgeschoss bildet das Herz des Hauses. Der zentrale, lang von Nord nach Süd gestreckte und an seinen beiden Längsseiten großzügig belichtete Raum wird von einer Bühne gegliedert. Sie funktioniert als verbindendes Element in beide Richtungen ebenso wie sie in je eine Richtung geschlossen werden kann. So entsteht wahlweise ein kleiner oder großer Saal mit klassischer Bühnenkonfiguration. Ihre Entsprechung findet die Bühne im raumhaltigen Thekenmöbel an der Nordseite des Saals, das gleichermaßen Lagerraum bietet, wie die notwendige Empore für die Bühnentechnik.

Im Süden des Gebäudes finden sich Räumlichkeiten für die Gruppen der jüngeren Kinder, ein großer Sitzungsraum für Mitarbeiter*innen, weitere flexibel nutzbare Gruppenräume, die dringend benötigten Lagerflächen für verschiedene Materialien sowie eine zweite Treppenverbindung zwischen allen Geschossen des Hauses.

Die komplette Aufstockung ist von perforiertem und vielfach gekantetem Stahlblech in dunklem Grau um- hüllt. Durch die vertikale, unregelmäßige Faltung des industriellen Materials bekommt die Hülle beim Blick von Innen nahezu die Anmutung eines leicht fallenden, textilen Vorhangs. Die Außenwände des verputzten Altbaus sind im gleichen dunkelgrauen Farbton gestrichen. Da zudem einige eingelassene Wandreliefs unbehandelt verbleiben, sind die unterschiedlichen Zeitschichten der Bauteile eindeutig ablesbar, die die Farbigkeit das Gebäude deutlich zu einem Großen und Ganzen zusammenzieht.

Realisierung: 2016 - 2019
LPH: 1 - 8
BGF: 1453 m2
Kosten: ca. 4 Mio EUR
Bauherr: Stadt Pforzheim
Ort: Pforzheim
Fotos: Zooey Braun